Der Feuerschlucker!
von Werner Bauer
In unserer Jugend war es so, dass wir uns in den Ferien selbst unterhalten
und die Zeit vertreiben mussten. Unsere Eltern konnten aus finanziellen Gründen
nicht mit uns in Urlaub fahren, wie es heute Gott sei Dank üblich ist.
So kamen wir auf alle möglichen Gedanken. Zum Beispiel fällt mir
da ein Stückchen ein, ich bezeichne es mal als "Feuerschlucker".
Ich war glaub ich sieben oder acht Jahre, da kam ein großer Zirkus auf
die Heddesdorfer Kirmeswiese. Sie hatten als Reklame einen Feuerschlucker
auf Plakaten. Einige Ältere von uns haben sich das angesehen und haben
gesagt, was der kann, können wir auch. Jetzt ging das Spielchen los.Weil
ich der Kleinste war, musste ich bei Hofs Wilhelm eine Flasche voll Benzin
kaufen und musste sagen, daß es für Sahms Heini sein Motorrad war.
Denn die konnten ja nicht einfach so einem kleinen Knirps Benzin verkaufen,
damit alles seine Richtigkeit hatte. Am Hammergraben am dicken Baum war unser
Platz da wurde geübt.
In Gedichtsform geht es so!
Sie standen da nach alter Sitte,
mein Bruder Alfred weil er der Kleinste, in der Mitte.
Alwis rechts, der Heini links, in dieser Reihenfolge gings.
Weil ich der Jüngste, das war zu begreifen, musste ich aufpassen,
wenn einer kam, musste ich pfeifen.
Sie bliesen den Sprit dann in die Fackeln,
die Flammen schlugen bis in die Pappeln.
Auf einmal da war es passiert, Blums Julius der hat's gehört.
Beckers Gretche fing an zu rennen und hat geschreit:
Maria hilf, sie sind am brennen,
der Julius packte sie am Kragen,
warf einen nach dem andern in den Hammergraben.
Jetzt gings nach Haus mit großem Gejammer,
ins Bett jeder in seine Kammer.
Dr. Bruno Seuser wurde konsultiert,
der hat sie dann mit Salbe beschmiert.
Nach zwei Wochen war wieder alles heil
und die Ferien waren auch vorbei.
Ich sage den Kindern, die das lesen,
so etwa war unsere Jugend gewesen.
Danach kam der große Krieg, da so mancher Jugendfreund blieb.
Den Kindern sage ich kurzum, Feuerschlucken war ganz dumm,
denn wer mit Feuer spielt, kommt darin um.
(Alois Schausten und Heini Anhäuser)