Hermann zu Wied -
Erzbischof und Kurfürst von Köln
Reformator in Neuwied und Umgebung

von Helmut Muscheid


im 14. Januar 1477 wurde Hermann zu Wied auf der Burg Altwied geboren. Schon in seinem ersten Lebensjahr, 1478, verlor er seine Mutter, Agnes von Virneburg, sowie 1486 seinen Vater, Graf Friedrich I. zu Wied. Der Vater bewirkte aber noch zu seinen Lebzeiten, dass Hermann 1483 die Pfründe (Vermögensausstattung) im Kölner Domkapitel verliehen wurde. Hermann war von hoher, schlanker Gestalt, sein Gesicht von einem langen Bart umrahmt. Seinen Untergebenen war er ein milder Herr, und den Armen gegenüber soll er wie ein Vater gewesen sein.

Im Jahre 1493 wurde Hermann mit seinem jüngsten Bruder, Graf Friedrich zu Wied (später Pastor von Feldkirchen und 1523 Bischof von Münster), an der juristischen Fakultät der Kölner Universität zum Studium eingetragen. Hier wurde er gemäß seines Standes geschult. In seiner Freizeit galt seine besondere Leidenschaft dem Jagen.

Am 14. März 1515 wählten die Mitglieder des Domkapitels den damals 38-jährigen Hermann zu Wied zum Erzbischof und Kurfürst von Köln. Schon am 26. April bestätigte Papst Leo X. seine Wahl. Am 15. Juni hielt er feierlichen Einzug in die Stadt Köln, den er Kaiser Karl V. zu verdanken hatte.

Am 23. Oktober 1520 krönte Hermann zu Wied und Erzbischof von Köln, Kaiser Karl V. zum römisch-deutschen Kaiser in Aachen und begleitete den Herrscher danach nach Köln. Später wurden dort im Domhof, im Beisein des Kaisers, Luthers Schriften verbrannt, was aufgrund der päpstlichen Bannbulle von 1520 angeordnet war.

Inzwischen hatte Karl V. seinen Gegner Frankreich besiegt. Nun konnte der Kaiser zu einem vernichtenden Schlag gegen den Protestantismus ausholen. Hermann suchte nach einer Verbesserung in der Kirche, die er auf friedlichem Wege herbeiführen wollte. Nachdem am 28. September 1529 die evang. Geistlichen Adolf Klarenbach und Peter Fliestädt in Köln verbrannt wurden, verfolgte Hermann zu Wied mit großem Eifer die Reformation, um seine Kirche zu er-neuern. 1536 rief er eine Versammlung ein, zu der die seiner Diözese angehörigen Bischöfe von Jütlich, Utrecht, Minden, Münster und Osnabrück und andere Prälaten eingeladen wurden. Es ging um die Verbesserung der Sitten, des geistlichen Amtes, Bildung und Leben, sowie Spende der heiligen Sakramente. Den strengen Katholiken gingen die Beschlüsse zu weit, den Reformationsgeneigten waren die Fortschritte zu schwach. Auch Erzbischof Hermann zu Wied war mit den Beschlüssen nicht zufrieden. Trotzdem hat er nie, um Vorteile zu erlangen, seinen Glauben gewechselt oder gar verleugnet.

Hermann hatte im 1. Abschnitt seiner Regierung entschiedene Maßregeln gegen die Reformation ergriffen. Nur seinem milden Wesen war es zu verdanken, dass eine rücksichtslose Verfolgung der Anhänger der neuen Lehren nicht stattfand. Erst allmählich ist er den kirchlichen Fragen näher gekommen und war der Überzeugung, dass manche Einrichtungen der Kirche einer Reform dringend bedürften. Seine Lebenserfahrung und die Ereignisse dieser erregenden Zeit in Bezug auf die Religion, waren ausschlaggebend für seine, immer mehr hervortretenden, reformatorischen Gedanken. Auch hatte er immer ein offenes Ohr für die Lehre der Protestanten. So traf er sich auch, vorerst im Geheimen, mit den evangelischen Theologen Bucer aus Straßburg (Unterhändler aller Führer der Reformation) und Hedio aus Basel. Diese predigten in Bonn, sowie in Linz und Andernach Pistorius. Auf der Burg Altwied traf sich Hermann zu geheimen Gesprächen mit dem Theologen Melanchton. Melanchton selbst predigte in der Kreuzkapelle in Melsbach (heute Ruine - die Kapelle stammt aus dem 7. Jahrhundert und war eine der ersten Versammlungsstätte der Christen. - Im Mittelalter dann ein beliebter Wallfahrtsort).

Papst Paul III. nannte bereits 1543 den Erzbischof Hermann zu Wied einen Abtrünningen und sprach am 16. April 1546 den Bannfluch über ihn aus, Hermann verlor alle seine geistlichen Würden. Das Domkapitel begab sich unter den Schutz des Kaisers und des Papstes. Der Kaiser selbst, Hermanns bester Freund und nun sein größter Feind, ging nach Köln, um Hermann zu Wied den Bischofstuhl zu entziehen und zwang ihn zur Abdankung. Voller Hass sagte der Kaiser über Hermann zu Wied: "Wie soll der gute Herr reformieren? Er kann kein Latein, hat sein Leben lang nicht mehr als drei Messen gelesen und er kann das Confiteor (Sündenbekenntnis) nicht."

Nach seiner Abdankung zog sich Hermann zu Wied auf seine Burg in Altwied zurück. Hermanns Reformation bewirkte, dass die Städte Bonn, Linz, Andernach und viele Gemeinden im Fürstentum Wied, so das Füstenhaus Niederbieber, Segendorf, Oberbieber, Feldkirchen, Heddesdorf und auch Altwied-Melsbach zum protestantischen Glauben übergingen. Am 16. Juli 1546 ließ Hermann zu Wied den Prediger von Altwied, Johann Alsdorf, zu sich kommen und erzählte diesem, dass er erst spät und allmählich zu seiner wahren Erkenntnis gelangt sei, in welchen Geist er auch seine Reformation gestellt habe. Er ermahnte auch ihn, standhaft in seinem Glauben zu bleiben.

Am Abend des 14. August 1552 wurde Hermanns Befinden so schlecht, dass man stündlich das Ende erwartete und ihm daraufhin das Abendmahl reichte. Am Morgen danach, am 15. August 1552 verstarb der alte und fromme Mann mit den Worten des Predigers Alsdorf "Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist". Seine letzte Ruhestätte fand er in der Kirche von Niederbieber zwischen seinen Eltern. Diese befindet sich in der Gruft unter dem Altar.

Im Jahre 1824 war folgende verstümmelte Inschrift zu lesen: Hermanus Comes a Weda Elec ... Archie ... iensque ... Anno domini 1515 Postulatus Administrator Excelsia ... Paderb ... nensis... Anno 1532 Lessit Archiepiscopatui ... et Ratio 1542.

Dem wiedischen Hause diente die Kirche von Niederbieber nach der Klosterkirche in Rommersdorf von ca. 1450 - 1580 als Grabstätte.
Hermann zu Wied war ein edler und selbstloser Fürst, den das tragische Geschick traf, noch vor seinem Tode das Scheitern seines Lebenswerkes zu erfahren.

Die Abstammung Hermann zu Wied aus dem Hause Wied!
Die späteren Grafen und Fürsten zu Wied entstammen der Ehe von Johanns II. Tochter Anastasia,verheiratet mit Dietrich, Herr von Runkel. Ihre Linie beginnt mit Friedrich I. Herr von Runkel, Graf zu Wied und Herr von Isenburg ,Vater von Erzbischhof Hermann zu Wied. Mutter war Agnes von Virneburg, Aus dieser Ehe stammen funf Söhne und eine Tochter. Der vierte Sohn war Hermann zu Wied. Hermanns Neffe war der Stadtgründer 1653 Friedrich III.

Erzbischöfe wurden aus dem Hause Wied!
1151 wurde Graf Arsold zu Erzbischof von Köln.
Graf Friedrich zu Wied, Dechant und Probst zu Köln wurde 1562 zu Erzbischof gewählt. Friedrich war ein Gegner der neuen Lehre. 1567 entsagte er durch Krankheit freiwillig der erzbischöflichen Würde.

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