Kriegsgeschehen in den ersten Monaten
des Jahres 1945 und Beendigung der Kampfhandlungen
in der Region Neuwied
von Manfred Marmé
Wenn im März des Jahres 2002 die Broschüre des Vereins Niederbieberer
Bürger e.V. zum 22. Male an die Bürger des Neuwieder Stadtteiles
verteilt wird, so liegen die unmittelbaren Kriegsgeschehen des 2. Weltkrieges
in dieser Region 57 Jahre zurück.
Der Berichtsverfasser möchte mit diesem Bericht die Geschichte von Nieder-bieber
über Kriegsgeschehnisse in den ersten Monaten des Kriegsjahres 1945 ergänzen.
In unserer Region sind die Monate Januar, Februar und März
1945 die letzten Kriegsmonate; zumindest was die kriegerischen Kampfhandlungen
betrifft, abgesehen davon, dass in der Folgezeit Nachwirkungen des Krieges
von der Bevölkerung verkraftet werden mussten. So wurde manche Familie
über das Schicksal von Angehörigen informiert. Waren doch auch z.
B. größere Gefangenenlager mit deutschen Soldaten in Andernach,
Sinzig und Bretzenheim, also mittelbar in dieser Region.
Hier einige Daten:
Im Dezember 1943 beginnt seitens des damaligen Regimes an der
Westfront die Ardennen-Offensive, die bald jedoch zum Stillstand kommt und
die deutschen Truppen zur Rückwärtsbewegung gezwungen wurden. Mit
der Erfolgszunahme der Alliierten im Westen im Jahr 1944 werden verstärkt
Luftangriffe auf die hiesige Region geflogen. Die Stadt Koblenz muß
einige zerstörerische Bombenangriffe erleben, Irlich erhält am 8.
September 1944 den ersten Bombenangriff von insgesamt 16 Angriffen bis zum
22. März 1945.
Die Westfront rückte also stetig näher zum Rhein,
seit September 1944 wurden in unmittelbarer Nähe von Niederbieber strategische
Ziele aus der Luft angegriffen. Das sind die Rheinbrücke Neuwied-Weißenthurm,
die Straßen- und Eisenbahnbrücke bei Irlich, der Hafen und das
Werk Rasselstein.
Am 16. Januar 1945 wird die Rheinbrücke Neuwied zerstört.
Am 13. und 24. Februar 1945 wurden u. a. erneut die Ziele bei
Irlich bombardiert. Dabei kommt es auch zu Bombenabwürfen auf Niederbieber
(13. Februar) und Altwied (24. Februar). Über die Abwürfe auf Niederbieber
und Altwied hat der Berichtsverfasser bisher keine Dokumentation bzw. keine
Veröffentlichung vorgefunden.
Am 6. März 1945 überqueren die Amerikaner den Rhein
über die fast unversehrte Brücke bei Remagen.
Koblenz fällt am 20. März in alliierte Hand, Neuwied wird am 22.
März von amerikanischen Truppen eingenommen.
Die Luftangriffe am 13. und 24. Februar erfolgten überwiegend
durch zweimotorige, sogen. mittlere Bomber vom Typ "Marauder". Diese
brachten an diesen Tagen Bomben mit ca. 45 kg, 200 kg und 900 kg Einzelgewicht
in den Zielgebieten zum Abwurf.
Soweit ein kleiner Auszug aus kriegshistorischen Veröffentlichungen.
Der Berichtsverfasser, damals 9 Jahre alt, erinnert sich an die Geschehnisse
von Januar bis März 1945 und darüber hinaus so:
Niederbieber
Es war Sonntag, der 11. Februar 1945, reger Flugbetrieb alliierter
Flugzeuge war im Raum Neuwied festzustellen. Vermutlich hatten diese Flugzeuge
die Aufgabe, die Aufklärung von Bodenzielen sowie die Flugabwehr am Boden
zu testen. Durch die ständige Rückverlegung der Westfront hin zum
Rhein wurden auch mehr und mehr Truppen-Einheiten auf die rechte Rheinseite
zurück verlegt.
Im Werk Boesner, Augustenthal, war eine Instandsetzungseinheit
stationiert, in Altwied soll zeitweise die Gestapo einen Standort gehabt haben.
Am Dienstag-Vormittag, dem 13. Februar 1945, kam es erneut zu
einem Angriff alliierter Flieger auf den Raum Neuwied. Gegen 12.00 Uhr, Mittag,
wurde das Abwehrfeuer der nördlich von Neuwied aufgestellten Flugabwehrgeschütze
(Flak) auf dem Heddesdorfer Berg sehr intensiv. Einzeln angreifende Jagdbomber
hatten wahrscheinlich die Aufgabe, die deutsche Luftabwehr im Raum Neuwied-Irlich
zu attackieren und auszuschalten.
(Wie der Berichtsverfasser heute weiss, erfolgte am gleichen
Tage ca. 13.00 Uhr ein erneuter Bombenangriff mit dem Ziel, die Eisenbahn-
und Straßenbrücke sowie den Rasselsteiner-Hafen mit einem Bombardement
zu belegen.)
Es muss angenommen werden, dass mind. ein Flugzeug der Vorhut
abgedrängt wurde oder den Auftrag hatte, die Firma Boesner, Augustenthal,
anzugreifen. Dabei wurden mehrere Bombern auf Niederbieber abgelegt, die in
den Bereichen der Burgstraße, der damaligen Wiedbachstraße, dem
Werk Boesner und oberhalb dem Wingertsberg in der Gemarkung Segendorf einschlugen.
(Am 24. Februar 1945 erfolgt mit ähnlichen Vorzeichen ein Luftangriff
auf Altwied.)
Im Bereich der Burgstraße und der Wiedbachstraße
wurden zivile Gebäude beträchtlich beschädigt, zum Teil unbewohnbar
zerstört. Der Schaden im Werk Boesner war ebenfalls beträchtlich.
Am besagten 13. Februar 1945 war der Berichtsverfasser auf dem
großelterlichen Anwesen damit beschäftigt, Brennholz für die
Küche zu holen. Als das Flakfeuer vom Heddesdorfer Berg immer stärker
wurde und ein Flugzeug immer näher zu hören war, flüchtete
der Erzähler schnellstens zum Keller im Wohnhaus. Doch beim Hinunterlaufen
auf der Kellertreppe gab es einen ohrenbetäubenden Schlag, Mauerstücke
kamen hinterher, die Schirmmütze flogt vom Kopf. Die Augen voller Staub,
knirschender Sand zwischen den Zähnen, eine vorübergehende absolute
Stille im Keller, ein leiser werdendes Fluggeräusch!
Nach einer Weile Rufen und Getue auf der Straße. Durch
das Kellerloch nach draußen sehend, konnte man erkennen, das gegenüberliegende
Haus Krey war beschädigt, der große, alte Birnbaum war umgefallen
und lag zum Teil auf der Straße. Am Haus selbst waren Stücke des
Mauerwerkes herausgerissen.
Im Werk Boesner war Mittagspause, kurz nach 12.00 Uhr. Die in
der Nähe wohnenden Beschäftigten waren auf dem Weg nach Hause zum
Mittagessen, andere wollten sich an der Ecke Segendorfer Straße ihre
wie immer dort abgestellten Essen ("Henkelmänner") abholen.
(Von den umliegenden Orten fuhr der sogen. Essenwagen die Mittagessen an vorgenannten
Standort und stellte dort die Essen ab.)
Nur durch die Kellerlöcher war es möglich, nach draußen
zu gelangen, was dem Berichterstatter alsbald durch ein solches gelang. So
konnte ich nachsehen, wo die anderen Familienmitglieder waren. Großmutter
und Mutter waren im Keller, Großvater fand ich mit einer großen
Wunde am Oberschenkel zwischen Mauerbrocken, und die Tante war zwischen Treppen-
und Mauerteilen eingeklemmt.
Inzwischen hatten sich einige Männer, dazu auch einige
Soldaten, mit Werkzeug augerüstet, konnten Erste-Hilfe-Leistungen und
Aufräumarbeiten tun. Ein zufällig vorbeikommender Pkw (Pkw und Fahrer
unbekannt) nahm Großvater mit zu einer Klinik nach Hausen.
Kurt Werner aus Altwied arbeitete damals bei der Fa. Martzer
in Niederbieber und holte sich mittags seinen "Henkelmann" an der
Ecke Segendorfer Straße ab, so auch an diesem Tag. K. Werner besorgte
sich eine Kreuzhacke und erweiterte damit ein Kellerloch, damit die beiden
Frauen aus dem Keller heraus konnten.
Das Haus war nicht mehr bewohnbar, das gesamte Treppenhaus mit
Außen-mauerwerk war abgerissen und lag als Trümmerhaufen im Nachbargarten
oder Balken-Konstruktionen ragten einfach so frei in den Luftraum. Den ganzen
Nachmittag waren Flugzeuge und Flakfeuer zu hören. Wie bereits erwähnt,
erfolgte am gleichen Tage noch ein Luftangriff auf Irlich und auf das Werk
Rasselstein.
Den Nachmittag verbrachte ich im Keller von Verwandten in Segendorf
im Hause Mees auf der Rodenbacher Straße. Am späteren Nachmittag
wurde ich wieder nach Niederbieber gebracht. Die Familie verteilte sich für
die kommenden Tage bei Verwandten in Altwied.
Mitgenommen werden konnte nur das Allernötigste, als Transportmittel
diente der Handwagen (andere Transportmittel gab es privat zu dieser Zeit
nicht). So blieben der gesamte Hausrat, die Möbel im Haus und die Haustiere
im Stall nach notdürftiger Absicherung zurück. Das war Verpflichtung,
täglich sich um alles zu kümmern.
Die nächsten zehn Tage wohnte die Familie dann in Altwied
"Auf der Au" bei Heinrich Runkel. Telefone gab es in den Häusern,
so wie man das heutzutage kennt, nicht, nur hier und da, die Handwerker, die
öffentliche Post, andere Geschäfte hatten schon Telefonanschluss.
Also mussten die meisten Besorgungen per Fahrrad oder zu Fuß erfolgen.
Oft geriet man in Luftalarm.
So fuhren meine Tante Henriette Rath aus Altwied-Dorf und ich mit dem Fahhrad nach Hausen, um uns nach dem Großvater zu erkundigen. Leider mussten wir erfahren, dass man ihm dort nicht mehr helfen konnte. Die Überführung des Toten von Hausen nach Niederbieber erfolgte mit Pferdefuhrwerk des Landwirtes Richard Aller aus Niederbieber. Tage später wurde Großvater auf dem Friedhof an der Melsbacher Straße zusammen mit weiteren Toten der letzten Tage beigesetzt. Am Beisetzungstage waren alle Särge mit den Toten gegenüber der heutigen Kriegstoten-Gedenkstätte des II. Weltkrieges aufgebahrt. Von dort erfolgte der Gang zu den einzelnen Grabstätten.
Altwied
Elf Tage nach dem 13. 2., es ist Samstag der 24. Februar 1945,
in Altwied. Man saß zusammen in der Küche, eigentlich nichts Direktes
ahnend, als die anwesenden Personen im Gespräch verstummten und instinktiv
einen "sicheren" Platz in der Wohnung suchten, in der Wohnstube
hinter'm Sofa, unter'm Küchentisch usw.
Der Berichterstatter flüchtete in Richtung Keller. Auf
diesem Wege dahin flog ihm das Oberlicht-Fenster der Haustüre entgegen
in den Hausflur, die Kellertreppe musste er tastend nach unten gehen. Die
Luft war mit schwarzem Staub angereichert, Schieferstaub. Die zur Straße
führende Außen-Kellertüre war aus den Angeln geworfen. Im
Umfeld zunächst scheinbare Ruhe - dann doch wieder Menschenstimmen.
Ich prüfte meine Kleidung, alles da,nichts kaputt - Glück
gehabt! Nach Auf-lösen der Staubwolken konnte man die Einschlaglöcher
erkennen (ich erinnere mich, zwei gesehen zu haben), die Straße war
nur noch zum Teil der ursprünglichen Breite vorhanden.
Es war ein Tag mit zeitweise blauem Himmel (gutes Flugwetter),
und weitere Flugzeuge waren am Himmel zu erkennen. Da entschloss sich ein
Teil der Bewohner, aus Angst vor weiteren Bomben in den Berg zum Schießstand
zu flüchten. Von hier konnte man im weiteren Verlauf sehen, wie wenige
deutsche Jagdflugzeuge den Bomberverband angriffen. Dazwischen die kleinen
Wölkchen von explodierenden Flakgeschossen.
Nach heutigem Kenntnisstand galt dieser Angriff ebenfalls Zielen
bei Irlich - oder war mit dem Einzelabwurf doch Altwied wegen des Aufenthaltes
von Militär als Ziel angeflogen worden?
Bei diesem Angriff wurden in Altwied mehrere Wohnhäuser
erheblich zerstört und acht Tote (lt. J. Dietrich, RZ-Bericht, 24. Februar
1994) waren zu beklagen. Außer den Bomben im Straßenbereich war
auch ein Einschlag im bewaldeten Hang oberhalb.
Hier konnten wir fortan nicht wohnen bleiben infolge der Zerstörungen.
Wir zogen zunächst nach Melsbach zur Familie G. Flohr, von da nach Segendorf
zu Bekannten "Im Aubich" zur Familie A. Breithausen, ein Teil der
Familie zu Lisbeth Barg in der Rodenbacher Straße.
Segendorf
Hier erlebten wir viele Nächte mit alliiertem Artillerie-Beschuss
zunächst im Keller des vorgenannten Wohnhauses Breithausen, später
nächtigten wir im Schutzbunker unter der Monrepos-Straße. Hier
war von den Segendorfer Bürgern in das felsig-tonige Erdreich ein Schutzstollen
angelegt worden.
Unvergessen bleibt auch das Anstehen nach Lebensmittel, z. B.
Brot, an den noch zumindest zeitweise geöffneten Geschäften des
Ortes. Hier wurden Rationen ausgegeben, solange der Vorrat ausreichte. Nicht
immer war das Anstehen erfolgreich; auch wurde durch Fliegeralarm die Sache
gestört.
Am Hasenstock hatten deutsche Soldaten kurz vor Eintreffen der
Alliierten einen mit verschiedenem Material beladenen LKW im Hof abgestellt,
der alsbald unter Beschuss genommen worden war. Dabei gab es erneut Gebäudeschäden
an den in der Nachbarschaft stehenden Wohnhäusern. Der große Birnbaum
hinter'm Haus wurde dabei total zerschossen.
Am 17. März war das Haus Hechtmann in der Austraße
bei nächtlichem Artilleriebeschuss völlig zerstört worden.
Alle im Haus gewesenen Familienmitglieder kamen ums Leben.
Auch in Segendorf hielten sich dieser Tage viele deutsche Soldaten
auf. Beobachten konnten wir tagsüber auch, wie sich deutsche Soldaten,
meist unbewaffnet, einzeln oder in kleinen Gruppen zurückzogen vor den
heranrückenden Amerikanern. Manche der Deutschen wurden von der "Feldpolizei"
aufgegriffen.
Es war der 19. oder 20. März 1945, am Morgen kamen amerikanische
Fußtruppen (vielleicht in Kompaniestärke) den Aubich-Weg aus Richtung
Monrepos in Segendorf an. Kurz danach rollten die ersten Panzer, mindestens
3, eher 5, der großen Kettenfahrzeuge die Monrepos-Straße herunter.
Ihnen folgten eine Menge großer Lkw's mit Soldaten und Material. Ein
Stellungskampf hat hier nicht stattgefunden. Nach Durchzug dieser ersten amerikanischen
Truppen fanden wir in liegen gelassenen Tagesrationen die ersten Kaugummis
und Schokoriegel.
Der Beschuss durch Artillerie war nun vorbei. Nachts konnten wir wieder im Keller des Wohnhauses schlafen in zurecht gemachten Notbetten über der Kartoffelkiste. Die Besatzer hatten die Parterrewohnung beschlagnahmt, unmittelbar oberhalb des Hauses standen plötzlich über Nacht mehrere Geschütze alliierter Artillerie, die vornehmlich nachts rüber zum Wiedtal und auf den vorderen Westerwald feuerten. Bergan waren weitere Geschütze westlich der "Nachtigallenschlucht" in Stellung gebracht. Die nächsten Nächte waren nun mit dem Lärm der Abschüsse erfüllt.
Niederbieber
Nach dem Abzug der kämpfenden Truppen wagten wir uns wieder
öfter an den "Hasenstock", um aufzuräumen, den Garten
zu versorgen und das Haus abzusichern. Mit der wärmeren Jahreszeit zogen
wir in das zerfetzte Wohnhaus.
So war man wieder nahe dabei, weite Wege hatten ein Ende. Zumal
auch die Wiedbrücke bei Boesner (wie alle Brücken) beim Rückzug
der deutschen Truppen zerstört war. Sie lag eingeknickt im Bach. Auf
der einen Seite ging es abwärts, die andere Hälfte der Brücke
musste man entsprechend wieder hoch, und das mit Lasten. Erfinderische Bürger
bauten später ein Floß, das an einem Seil hing, und man konnte
sich zum anderen Ufer ziehen.
Unangenehm konnten zuweilen marodierende ehemalige Fremdarbeiter
sein. So bekam ich des öfteren einen kräftigen Verband angelegt,
der eine Krankheit signalisieren und abschrecken sollte.
Das Wohnen im zerstörten Haus hatte bald ein Ende. Bei
einem heftigen Sommer-Gewitter rutschte nachts eine komplette Dachhälfte
aus ihren Halterungen und stand nun im Hof, angelehnt an das Haus, da.
Nachdem in der Nachbarschaft leichte Schäden, wie Glasscheiben,
undichte Dächer und dergleichen inzwischen repariert werden konnten und
alles sich ein wenig mehr normalisierte, fanden wir endlich auch eine kleine
Wohnung in direkter Nachbarschaft bei der Familie Paula und Willi Anhausen
und bei der Familie Otto Böhmer.
Auch der Vater kehrte im Sommer endlich aus der Dienstverpflichtung
in Norddeutschland zurück.
Man dachte an Wiederherrichtung des Hauses, aber wie! Industrie
und Gewerbe lagen noch am Boden. Materialbeschaffung war nur über behördliche
Bezugscheine möglich, wenn Baumaterial überhaupt zur Verfügung
stand - oder man musste Beziehungen zum Schwarzmarkt aufbauen. Am Straßenrand
liegender Schutt vom Haus wurde mit Hilfe von Pferdefuhrwerken abgefahren.
Von Kriegseinsätzen inzwischen zurückgekehrte einsatzfähige
Männer und die Landwirte als Fuhrleute wurden durch die "Öffentliche
Hand" zeitweise eingesetzt und verpflichtet, Aufräumungsarbeiten
zu leisten.
Zeitzeugen von damals, vor rd. 57 Jahren, gibt es nicht mehr
viele. Damals junge Mitbürger werden sich nur schwach erinnern können,
damals schon ältere Personen leben nicht mehr.
Kurt Werner aus Altwied wurde bereits erwähnt. Vor einiger
Zeit wurde ich von Kurt Tross (wohnt heute in Oberbieber) diesbezüglich
angesprochen: "Weißt Du noch, als wir 1945 mit Pferdefuhrwerken
Trümmerschutt abgefahren haben?"
Es wäre eine Reihe von Personen mit Namen aufzuzählen,
die damals und Jahre danach ansprechbar und hilfsbereit waren, wenn es darum
ginge, am Haus Arbeiten zu verrichten, wofür man halt mehr Hände
brauchte, als die man selber hatte. Stellvertretend für alle, die ich
mit Sicherheit nicht vollständig aufzählen könnte, weil aus
dem Gedächtnis verschwunden, möchte ich an dieser Stelle Fritz Felsing
nennen. Auch ortsansässige Kaufleute gehörten dazu, die schon einmal
mehr Waren einpackten als Lebensmittelkarten dies erlaubten. Einige dieser
Kaufleute, Geschäfte gehören heute längst der Vergangenheit
an, so z. B. die Bäckerei Kutscher und die Metzgerei Projahn. Auch Bauhandwerker
bemühten sich, mit (noch) vorhandenem Material weiterzuhelfen.
Neben den Anstrengungen für den Wiederaufbau mussten auch
Garten und Feld bestellt werden, denn die teilweise Selbstversorgung mit Garten-
und Feldprodukten war zu jener Zeit noch eher die Regel im ländlichen
Raum und lebensnotwendig. Naturalien waren zu jener Zeit auch hilfreiche "Zuschlagstoffe"
neben der Geldentlohnung.
Fotos, auf denen die Geschehnisse damals festgehalten sein könnten,
hat der Berichtverfasser keine gefunden.
Die vorstehende Berichterstattung beruht auf eigenen Aufzeichnungen
sowie aus Urkunden und Erkundigungen bei noch lebenden Zeitzeugen und Kriegshistorikern
sowie durch Sammlung von Presseberichten in der Nachkriegszeit. Ich danke
Herrn. J. Weiler aus Bad Hönningen und Dr. H. Schnatz, Koblenz für
ihre Auskünfte.
Mit dem vorstehenden Bericht möchte der Verfasser nicht
nur seine damaligen Erlebnisse schildern, sondern auch der heutigen Generation
die grauenvolle Zeit der Kriegs- und Nachkriegszeit einmal näherbringen.
Obwohl dem Berichtverfasser auch bewusst ist, dass es viele Menschen zu jener
Zeit gleichwohl schlimmer getroffen hat.
"Kaffeepause bei der Kartoffelernte" Foto: Joh. Marmé
Personen: Hedwig und Philipp; Isolde, Manfred und Juliane Marmé.