Artikel aus der Rhein-Zeitung vom 29.01.2001:

Gedenkstein erinnert an Synagoge

Im Garten gefundene Steine gehörten einst zur Grundmauer des von Nazis geschändeten jüdischen Gotteshauses

Gedenktafel

Diese Tafel erinnert an die Verbrechen der Nationalsozialisten an der jüdischen Gemeinde * Bild: Uwe Oster

Am Samstag, dem Gedenktag für die Opfer von Auschwitz, wurde in der Backhausgasse in Niederbieber ein Gedenkstein am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge eingeweiht. Zahlreiche Bürger nah men an der Feier teil.

* Von Uwe Oster

NIEDERBIEBER "Die Gedenkstätte an jener Stelle, an der sich die Synagoge befand, ist Zeichen der Erinnerung und Mahnung zugleich", sagte Oberbürgermeister Nikolaus Roth bei der Einweihung des Gedenksteins in Niederbieber. Vor mehr als 62 Jahren wurde die Synagoge in der Reichspogromnacht zerstört. Nazis schleppten die Einrichtung auf die Straße, verbrannten die Schriftrollen und Vorhänge und rissen das Dach des jüdischen Gotteshauses ein. Die Idee, an dieser Stelle ein Denkmal zu errichten, stammt vom Grundstückseigentümer Ewald Bachmann. Mit dem Architekten Werner Kinne, dem Verein Niederbieberer Bürger und dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis wurde das Projekt realisiert. "Unterstützung fanden wir bei der Stadtverwaltung, der Sparkasse, Volks- und Raiffeisenbank und den ausführenden Firmen. Ohne diese breite Unterstützung wäre das Projekt nicht möglich gewesen", so Ewald Bachmann. Mit bewegter Stimme schilderte er seine Kindheitserinnerungen an die ausgegrabenen Steine im Garten des Hauses seiner Großtante, gleich neben dem ehemaligen Standort der Synagoge. Sie stammten von den Grundmauern der Synagoge und wurden nun für das Mahnmal verwendet.

Dieses Mahnmal soll an unvorstellbares Leid erinnern, welches jüdischen Mitbürgern zugefügt wurde", so der Neuwieder Ehrenbürger und Ehrenvorsitzende des Deutsch-Israelischen Freundeskreises, Robert Collet. Stellvertretend für die insgesamt 196 ermordeten Neuwieder Juden nannte er die Namen der acht Niederbieberer Juden, die im Holocaust umkamen. "Wir verneigen uns in Schmerz, Trauer und Demut", so Collet. Jürgen Herbst vom Verein Niederbieberer Bürger erinnerte daran, wie hoch die Akzeptanz der Juden vor dem Naziterror in Niederbieber und Neuwied gewesen sei.

Szyja Tober, Vorbeter der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, sprach ein Kaddisch-Jüdisches Totengebet. Für die evangelische und katholische Kirche beteten gemeinsam Superintendentin Marion Opitz und Dechant Stephan Augst.

Bild der Einweihung

 

 

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