Das Backhaus
– ein Treffpunkt für die Dorfbewohner,
früher und auch heute – *
von Anita Trostel
Leider haben wir in unserem Archiv bis heute von dem Niederbieberer
Backhaus in der Backhausgasse 1 keine Notizen oder Berichte von Zeitzeugen,
die schildern, wie es als Backhaus genutzt worden ist. Fest steht jedoch,
dass nur die Räume im Erdgeschoss bis 1908 das Backhaus waren. Vom Untergeschoss
aus bestand kein Zugang zum Obergeschoss, dieses war nur über eine, wahrscheinlich
überdachte, Außentreppe zugänglich. Es wird vermutet, dass
sich dort oben eine „Dienst“-Wohnung befand und das Obergeschoss
lediglich in der Zeit von 1908 bis 1910 als Ratsstube der Gemeinde diente.
Andererseits war es aber für die rheinische Bauernkultur bezeichnend,
dass das dörfliche Gemeindehaus mehreren Zwecken diente, nämlich
als Rat- und Backhaus und Schule. Es ist also naheliegend, dass das Niederbieberer
Backhaus die ganze Zeit über ebenso genutzt worden ist. Im Obergeschoss
tagte der Gemeinderat und im Untergeschoss wurde Brot gebacken.
In fast allen dörflichen Bereichen war ein Backhaus zu finden. Regelmäßige Backtage der Dorfbewohner sparten den Bäcker, den eigenen Ofen und Energie. Neben dem Backraum mit dem Ofen gab es manchmal auch Nebenräume, in denen noch Arbeiten vor oder nach dem eigentlichen Backvorgang ausgeführt werden konnten. So kann es – nach dem Grundriss zu urteilen – auch in unserem Niederbieberer Backhaus gewesen sein.
An der Wand befanden sich Eisen mit Holzbrettern darauf, auf denen die Brote lagen. Daneben standen die Brotschieber und die Schieber zum Herausziehen der Asche und der Wisch (meist aus Ginster oder anderen dünnen Reisern), mit dem der Backofen gereinigt wurde bevor das Brot hineinkam. Neben der Ofentür war nochmals ein kleines Guckloch. Hier hinein leuchtete man mit einem Fidibus, um nachzuschauen, ob das Brot bald fertig war. Ein Eimer mit Wasser stand griffbereit, denn das Brot wurde mit Wasser bestrichen, wenn es aus dem Ofen kam, damit es einen schönen Glanz hatte.
Der Ofen musste stundenlang vorgeheizt werden, damit sich die
Hitze richtig verteilte. Für die Befeuerung verwendete man ganz trockene
Reisigbündel (Schanzen oder auf „Biewerer Platt“ gesagt:
Schänzja). Derjenige, der zuerst an der Reihe war, brauchte mehr Schanzen
zum Anheizen des Ofens, daher wurde die Reihenfolge immer gewechselt.
In manchen Dörfern gab es Backhausordnungen, in anderen wurde die Reihenfolge
des Backens verlost oder es hingen Tafeln neben der Backhaustür auf die
man sich einfach eintrug. Die Backzeiten wurden mit einer kleinen Glocke eingeläutet,
wie sie auch in unserem Backhaus in dem kleinen Dachtürmchen hing. Gleichwohl
wird sie auch als Sturmglocke gedient haben, wenn im Dorf eine Unglück
geschehen war oder eine Gefahr drohte.
Während man wartete, bis Brot oder Kuchen fertig waren, nahm man auf der großen Bank im Backraum Platz und man tauschte die neuesten Neuigkeiten aus. So stellte der Backestag auch eine wichtige soziale Komponente dar. Es gab wohl kaum ein anderes Haus im Dorf, in dem soviel Gemeinschaft geübt wurde.
Diejenigen, die ihren Backes nicht abgerissen haben, sind heute
froh darüber. Denn manche Backhäuser werden jetzt für touristische
Zwecke genutzt, indem man einmal oder mehrmals im Jahr gut besuchte Backhausfeste
darin feiert. Die Backesbrote erfreuen sich dann großer Beliebtheit.
Viele Backhäuser dienen jedoch nicht mehr als Backort, sondern als Zusammenkunftsort,
ohne, wie in alten Zeiten, auf Brot zu warten. So wollen wir es auch mit unserem
Niederbieberer Backhaus halten. Mit Veranstaltungen verschiedenster Art möchten
wir Leben in das historische Kleinod bringen und das darin errichtete „Museum
im Backhaus“ soll kein totes Museum sein, sondern ein lebendiger Ort
der Begegnung.
* Fundstellen: Albert Meinhardt „Neuwied
Einst und Heute, Wäller-klusiv 04/2007,wikipedia.org.